Jänner 2010 - die kälteste Jahreszeit. Nicht nur bei uns, auch in der Ukraine. Das Thermometer nähert sich minus 20 Grad. Aber es finden Wahlen statt. Fünf Jahre nach der "Orangen Revolution" sind viele Hoffnungen Enttäuschunen gewichen. Dazu kam die Weltwirtschaftskrise, die die kurzzeitig prosperierende Ukraine hart getroffen hat.

Seit einiger Zeit habe ich intensivere Kontakte mit der Ukraine. Dank des Einsatzes unseres engagierten Botschafters, Mag.Markus Wuketich, konnte ich mich in Gemeindentwicklungsprojekten in einigen Städten engagieren.
Es freut mich deshalb besonders, daß ich für diese Wahlen aufgeboten werde.
Der Aufenthalt in Kiew ist kurz und dient der Einführung - dann geht die Reise mit dem Schlafwagen mit insgesamt 12 Stunden Fahrt ans Schwarze Meer. Nach Kherson geht die Reise - Gedanken an das alte griechische Chersonnisos, an Jason und ans Goldene Vlies werden wach. Aber davon hat dieses Land heute nichts mehr.
Von Kherson ging dann die Reise weiter nach Nova Khachovak - dort wo der riesige Dnipro sich ins Schwarze Meer ergießt und die letzte Staufstufe der gewalten Dnjepr-Kraftwerke sich befindet.
Die Wahlen selbst sind grundsätzlich gut organisiert, wenn auch die Abwicklung zeitlich manchmal lähmend erscheint. Insbesondere der Auszählungsvorgang und vor allem das Zusammentragen aller Daten auf der Bezirkswahlbehörde kostet Zeit, Zeit, Zeit.
Aber ein so großes Land darf auch Zeit haben.
Dafür wurden wir überall sehr freundlich empfangen.
Nach den Wahlen blieb noch ein wenig Zeit, die Stadt anzuschauen, den Markt zu besuchen und einige besondere Bilder mitzunehmen: im Jänner findet die Theophanie mit der Grossen Wasserweihe statt - zum Gedenken an die Taufe Jesu. Egal wie kalt es ist - man geht an diesem Tag "ins Wasser" - buchstäblich. Und das bei annähernd minus 20 Grad Außentemperatur. Beeindrucken, das zu sehen. Unbedingt nachmachen war nicht in unserem Sinne.
Das Ergebnis der Wahlen war wie erwartet: es kommt zu Stichwahlen vierzehn Tage später. Die Hoffnungen werden also prolongiert.
Es war jedenfalls ein beeindruckendes Erlebnis, Wahlen in diesem riesigen Land mitzumachen - ein Land, das vor den Toren der Europäischen Union steht. Und noch viel Arbeit auf dem Weg dorthin vor sich hat.
einige Photos und Eindrücke sehen Sie hier -->